Eigene Musikschule: Wieso der Musikverein Nortrup keinen Nachwuchsmangel hat

*Repost* Von Anika Becker | 07.02.2026, 06:17 Uhr

Am liebsten gemeinsam: In der Musikschule des Vereins lernen die Nachwuchsmusiker alles, was es für den Auftritt braucht.Foto: Georg Geers/Archiv

So manche Kapelle beklagt fehlenden Nachwuchs. Nicht so der Musikverein Nortrup. Ein Erfolgsgeheimnis ist sicher die vereinseigene Musikschule. Von Kindergartenkindern bis zum Senior kann hier jeder ein Instrument erlernen. Und später im Hauptorchester mitspielen.

Damit ihnen nie der Nachwuchs ausgeht, betreibt der Musikverein Nortrup seit mehr als 30 Jahren seine eigene Musikschule. Und das durchaus erfolgreich, wie Jana Krull und Anja Meyer vom Vorstandsteam im Gespräch erklären. Gerade hat sich der Vorstand neu aufgestellt und mit ihm die vereinseigene Musikschule.

Die musikalische Ausbildung hat im Musikverein Nortrup traditionell einen hohen Stellenwert. „Wir wollen es allen ermöglichen, Musik zu machen, die sich für Musik interessieren“, sagt Jana Krull. Die 33-Jährige spricht aus Überzeugung. Sie ist selbst seit 20 Jahren Mitglied im Nortruper Verein, spielt das Horn im Blasorchester und dirigiert das Ausbildungsorchester. Erste Vorsitzende ist sie außerdem noch.

Unterricht für Gitarre und Schlagzeug

Für die Musikschule hält Anja Meyer die musikalischen und organisatorischen Fäden in der Hand. Beim Gang durch das vereinseigene Gebäude an der Farwickstraße zeigt sie mehrere Unterrichtsräume. Hier lernen die Schüler Trompete, Saxofon, Gitarre oder Keyboard.

Für praktisch jedes Instrument, mit Ausnahme der Streicher, könnten Stunden genommen werden, erklärt Anja Meyer, die gleichzeitig Dirigentin des Hauptorchesters beim Verein ist. Wichtig sei ihnen, dass kein Kind ein eigenes Instrument anschaffen müsse, sondern auch dauerhaft beim Verein leihen könne. Schließlich entscheiden sich viele erst im Teenageralter, auch weiterhin ernsthaft bei einem Instrument zu bleiben.

Anja Meyer ist eine von zehn Lehrerinnen und Lehrern. Während anfangs die Musiker der Kapelle ehrenamtlich unterrichteten, übernehmen das inzwischen professionelle Musiklehrer auf Honorarbasis. Teilweise von der Kreismusikschule Osnabrück, teilweise aus dem Umland von Berge bis Dinklage, wie sie erklärt. Die ersten Töne klimpern und die Instrumente entdecken, können Kinder bereits im Kindergartenalter bei der musikalischen Früherziehung oder der Grundausbildung. Alles noch spielerisch.

Das Hauptorchester besteht aus 45 Musikern. Foto: Musikverein Nortrup

Unter den 160 Lehrlingen, die derzeit Stunden nehmen, seien keineswegs nur Kinder. Auch Erwachsene könnten ein Instrument neu erlernen – oder eingerostetes Können auffrischen. „Instrumente kann man auch im Erwachsenenalter noch gut lernen“, sagt Meyer. Einer ihrer ältesten Schüler sei ein knapp 80-jähriger Hornbläser gewesen, erinnert sie sich. Der habe sogar zusätzlich noch mit dem Saxofonspielen angefangen.

Ein junges Hauptorchester

Genau das gefällt den beiden Frauen am Musikverein. „Das Schöne am Musizieren ist, hier können Achtjährige mit 80-Jährigen spielen“, findet Jana Krull. Tatsächlich ist der jüngste Mitspieler in Nortrup 13 Jahre alt, der älteste 76 Jahre. Insgesamt sei das 45-köpfige Hauptorchester vergleichsweise jung. Mit ihren 33 Jahren gehört sie zu den erfahrenen Musikern, sagt sie. Die gemeinsamen Proben und Auftritte schweißen zusätzlich zusammen.

Das beobachtet Krull auch bei den Nachwuchsmusikern, die ihre ersten kleinen Musikstücke schon im Grundschulalter vorspielen können. „Es ist so schön, die Fortschritte zu beobachten. Wie Kinder die Konzerte als Ansporn sehen und an ihren Instrumenten und vor Auftritten wachsen“, findet Anja Meyer.

Jung und Alt gemeinsam: Das Orchester des Musikvereins Nortrup spielt bei verschiedenen Schützenfesten in der Region oder veranstaltet eigene Konzerte. Foto: Musikverein Nortrup

Jana Krull schätzt die Kapellenmusik etwa auf den Schützenfesten als Kulturgut der Region. Und das bringt sie auch anderen gern nah. Wenngleich nicht jeder zwangsläufig irgendwann aus den Musikstunden ins Orchester wechselt und bei Konzerten mitspielen möchte. Wer keine Ambitionen hegt, muss natürlich nicht.

Und obwohl der Musikverein Nortrup selbst schon mehr als 100 Jahre alt ist, sind seine Mitglieder, auch dank der intensiven Nachwuchsarbeit, jung und quicklebendig. Damit das so bleibt, versuchen die Verantwortlichen, auch andere Angebote auf die Beine zu stellen: Künftig soll es beispielsweise wieder einen Jugendchor geben.

*Repost* von noz.de

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